"The encyclopedia of ethics" (1992) sagt, dass die meisten Amerikanern Homosexualität unter allen Umständen unmoralisch finden. Der Artikel über Homosexualität in dieser Enzyklopädie analysiert ob diese Ansicht ethisch gerechtfertigt ist. Folgendes ist eine kurze Zusammenfassung.
Wir müssen uns fragen, warum Menschen Homosexualität unmoralisch finden. Hier kann man zwischen beschreibender Moral und normativer Moral unterscheiden. Beschreibende Moral sagt, dass die Traditionen und Gebräuche so und so sagen. Homosexualität ist also unmoralisch, weil es nicht traditionell oder gebräuchlich ist. Aber beschreibende Moral kann nicht ethische Regeln geben. Sie muss erst normative (vorschreibende) Moral werden.
Es gibt einige Grundregeln für normative Moral.
Die bloße Ansicht ob etwas gut oder schlecht ist, macht diese Ansicht nicht zur normativen Moral, egal, wie weit diese Ansicht getragen wird. Ein Beispiel davon war Sklaverei. Nur weil die Mehrheit der Menschen der Ansicht waren, dass es gut sei, andere "minderwertige" Menschen zu versklaven, macht Sklaverei nicht gut oder schlecht. Darum dürfen wir auch nicht sagen dass Homosexualität unmoralisch ist, nur weil viele Menschen Schwule und Lesben nicht mögen.
Viele Menschen sagen, dass Homosexualität normativ unmoralisch ist, weil sie unnatürlich ist. Wir müssen dabei aber bedenken, dass es viele Arten oder Definitionen von Unnatürlichkeit gibt.
Unnatürlich = nicht durch die Natur gemacht, sondern durch den Menschen, z.B. Plastik. Deswegen darf man nicht sagen, dass Homosexualität verkehrt ist.
Unnatürlich = es hat keine Funktion in der Natur, z.B. Fortpflanzung. Aber viele Körperteile haben mehr als eine Funktion, z.B. der Mund. Nur weil Geschlechtsteile gebraucht werden um Kinder zu zeugen heißt nicht, dass dies die einzige Funktion von Geschlechtsteilen ist. Wir sagen auch nicht, dass ein kinderloses Ehepaar "unnatürlich" ist. Sie tun uns leid, weil sie nicht am vollen Reichtum des Lebens teilhaben können. Genauso müssten uns kinderlose Lesben und Schwule leid tun, weil sie nicht am vollen Reichtum des Lebens teilhaben können. Immoralität liegt in diesem Fall nicht bei dem Lesben und Schwulen, sondern bei den sozialen Bräuchen, die sie davon abhalten wollen eine Familie (blut- oder adoptiv-) zu haben.
Manche sagen, dass moralische Gesetze Naturgesetze sind und umgekehrt. Aber das ist unlogisch. In Griechenland war Homosexualität ein Ideal und in Melanesien ist es eine sozial vorgeschriebene Handlung. Heißt es, dass nur weil manche Fische ihr Geschlecht wechseln, auch Menschen ihre Geschlecht wechseln müssen?
Es ist also unethisch Homosexualität zu verurteilen.